Wort und Klang Küche

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Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich an jeden einzelnen Parkplatz erinnern, an dem Sie Ihr Auto jemals abgestellt hatten - und zwar ganz exakt, wie wenn es eben jetzt gewesen wäre: alle Bilder würden sich überlagern.

Wenn unser Gehirn alles gleich wichtig nehmen würde, könnten Sie das Gestern nicht mehr vom Heute unterscheiden und würden morgen Ihr Auto nicht mehr wieder finden. Erinnern heißt auswählen, und vergessen ist dabei das wichtigste. Was bedeutet das aber auf unser gesamtes Leben bezogen? Wenn unser Gehirn auswählt und wegwirft, können wir uns dann auf unsere Lebenserinnerung verlassen?

Wir meinen, uns auf das verlassen zu können, was wir mit eigenen Augen gesehen haben. Aber die Bestandteile unserer Wahrnehmung, ob gesehen, gehört, gerochen oder gefühlt, sie werden in jedem neuen Erinnerungsprozess neu zusammengesetzt und rekonstruiert. Das geht so weit, dass wir uns an Dinge erinnern, die so nie passiert sein können. Mit diesem Wissen liest man die Autobiographie eines Menschen mit anderen Augen. Dieses Wissen wirft ein anderes Licht auf Geschichtsbücher. Und es kann allein das Zuhören und das eigene Erzählen verändern.

Almut Schnerring und Sascha Verlan haben nachgefragt bei Menschen, die sich mit dem Phänomen der Erinnerung beschäftigen: bei Historikern, Psychologen und bei Kognitionswissenschaftlern, bei Schriftstellern, Biographen und Kulturwissenschaftlern. Sie haben sie nach ihren Erkenntnissen gefragt, aber auch nach ihren eigenen Erinnerungen. Eine Lange Nacht, die dem Wesen der Erinnerung und des Vergessens nachgeht und die zugleich Anlass und Anreiz sein möchte, sich selbst zu erinnern.