Wort und Klang Küche

Logo Wort und Klang Küche
 

Ob Neue Deutsche Welle, New Wave oder Grunge, die Moden der Pop-Musik wechseln schnell, entsprechend kurz ist die Lebensdauer der Jugendkulturen, denen sie jeweils Ausdruck verleihen. Entweder werden sie schlicht vergessen oder die Gesellschaft arrangiert sich und nimmt ihnen damit die soziale und politische Sprengkraft. Ganz anders HipHop: seit nun annähernd 30 Jahren vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht eine Rap-Gruppe die Charts stürmt und neue Maßstäbe setzt in Video, Performance, Tanz oder Musikproduktion, kaum ein Jahr, in dem sich nicht irgendein Politiker zu Wort meldet und vor den verheerenden Folgen warnt, die HipHop für die Entwicklung der heutigen Jugend bedeutet, sei es nun Bill Clinton oder eben Otto Schily.

"HipHop ist kein Musikstil, sondern Sprechgesang nur ein Teil der Kultur ", rappte 1994 Cora E. Macht das den Unterschied? Dass HipHop nicht bloß ein neuer Trend der Pop-Musik ist, sondern ein komplexe Bewegung, die sich in Breakdance, Graffiti, Rap, Human Beatboxing und DJing ausdrückt? Das "CNN der Schwarzen" (Chuck D)? Dass HipHop den ethnischen und sozialen Minderheiten eine kulturelle Heimat bot, zuerst in den USA und bald darauf in der ganzen Welt? Dass Rap all jenen eine Stimme gibt, auf die sonst niemand hört? Und dass die Ausgegrenzten diese neue Macht nutzen und ihre Hoffnungen und Ängste öffentlich machen? Liegt es daran, dass HipHop keine Grenzen kennt, dass es nicht wichtig ist, woher einer kommt, welche Ausbildung er mit welchem Erfolg absolviert hat, dass es keine HipHop-Akademien gibt? Oder ist es die Battle, der offen und öffentlich ausgetragene Wettkampf, der alle Ausdrucksformen der HipHop-Kultur bestimmt, sie wandlungsfähig und innovativ machte über Jahrzehnte - und auch heute noch macht?

Es ist viel geschrieben worden über HipHop in den letzten drei Jahrzehnten, viel Kluges, viel Falsches, und immer nur wurde über die Kultur geschrieben. In der langen HipHop-Nacht kommen deshalb die HipHops selbst zu Wort, bekannte Protagonisten wie, Scorpio von Grandmaster Flash & The Furious Five, Gabin von Aktuel Force, Thomas D von den Fantastischen Vier und Toni L von Advanced Chemistry, ebenso noch unbekannte Vertreter der Szene wie Textor von Kinderzimmer Productions, Treyer von der Gruppe Sieben, Bektas, die Sons of Gastarbeita, Brazn und einige mehr. In der Vielfalt der Stimmen wird so die Faszination HipHop deutlich, die Jugendliche auf der ganzen Welt begeistert. Ob es nun gefällt oder nicht, HipHop hat eine kulturelle Revolution ausgelöst: immer mehr Jugendliche treffen im HipHop zusammen, werden selbst zu Malern, Tänzern, Komponisten, Dichtern und heben die Grenze auf zwischen Künstler und Publikum.

Das Lebensgefühl HipHop ist so vielfältig wie die Menschen, die diese Kultur leben. Und ihr Maßstab ist nicht die Pop-Kultur, sondern die allgemeine Kulturgeschichte. Die Parallelen, die sich dann ergeben, sind überraschend und faszinierend, zu hören sind sie in der langen HipHop-Nacht: "ich will, dass man mich hört und sieht, deswegen rap ich".